Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie Kiel

zertifiziertes überregionales Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

Notfallsituationen im Fontankreislauf - Operation

Eine ausreichende Kenntnis der individuellen kardiopulmonalen Situation des Patienten ist vor Narkosebeginn obligat. Dazu soll immer das betreuende Herzzentrum kontaktiert werden. Die Telefonnummer ist auf dem Notfallausweis des Patienten vermerkt. Elektive Eingriffe bei Patienten mit eingeschränkter Ventrikelfunktion, erhöhtem pulmonalvaskulärem Widerstand, Herzrhythmusstörungen oder anderen Risikofaktoren sollten im spezialisierten Herzzentrum durchgeführt werden.

Cave: Viele Fontanpatienten haben eine Fenestration zwischen Vorhoftunnel und Vorhof. Die normale Sauerstoffsättigung der Patienten liegt zwischen 85 und 90% (siehe Ausweis). Durch die Fenestration können venös verabreichte Substanzen direkt in den Systemkreislauf gelangen. Es besteht somit die Gefahr systemischer Embolien (z.B. Luft)!


Vorbereitung zur Operation
  • Ausschluss insbesondere pulmonaler Infektionen (erhöhter Lungengefäßwiderstand)
  • Ausschluss von Herzrhythmustörungen (EKG)
  • übliche Labordiagnostik inkl. Gerinnung (oftmals anti- koagulatorische Therapie mit Phenprocoumon)
  • Volumenmangel durch Nüchternzeiten vermeiden, ggf. parenterale Flüssigkeitssubstitution
  • Abfall der Vorlast bei Einleitung vermeiden
  • Endokarditisprophylaxe nach Ausweis
Beatmung
  • möglichst niedriger intrathorakaler Druck!
  • niedrige Atemfrequenz!
  • I:E ca. 1:3
  • PEEP 3 bis 5 mmHg
  • Normo- oder leichte Hypokapnie anstreben
  • Sauerstoff (senkt auch den pulmonalvaskulären Widerstand)
  • bei Bedarf NO

Monitoring
  • Standardmonitoring (EKG, noninvasiver Blutdruck, Pulsoxymetrie, Kapnometrie, Narkosegasmessung, Temperatur). Shuntbedingt (Koronarvenenblut, Fenestration) ist das etCO2 gegenüber dem arteriellen pCO2 erniedrigt.
  • Zentraler Venenkatheter (gemessen wird der pulmonalarterielle Druck, nicht der Füllungsdruck des Ventrikels). Zielwert ca. 15 mmHg. Bei kleineren Eingriffen kann ggf. auf einen ZVK verzichtet werden.
  • zentralvenöse Sättigungen zur Beurteilung der Kreislaufsituation, ergänzend NIRS, wenn verfügbar.
  • invasiver Blutdruck über arteriellen Zugang
Faustregeln für die Kreislauftherapie
  • für ausreichende Vorlast sorgen: Volumen!
  • Katecholamine können nur helfen, wenn die Vorlast stimmt
  • Rhythmusstörungen konsequent behandeln
postoperative Intensivtherapie
  • frühe Wachheit und Spontanatmung des Patienten
  • frühe Extubation (jede Stunde zählt!)
  • Fontanlagerung (Oberkörper 45° aufrecht, Beine erhöht)
  • zentrale Zugänge frühzeitig entfernen (erhöhte Thrombosegefahr)
  • schnelle Mobilisation

Alle hier aufgeführten Maßnahmen dienen der Orientierung bei der Therapie von Fontanpatienten. Abhängig von der individuellen Situation des Patienten gelten unter Umständen andere Zielwerte und modifizierte Therapiekonzepte sind erforderlich. Eine Abklärung durch Kontaktierung des behandelnden Herzzentrums wird dringend angeraten.

letzte Aktualisierung: 23.07.2015

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