Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie Kiel

zertifiziertes überregionales Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

Notfallsituationen im Fontankreislauf - Reanimation

Cave: Viele Fontanpatienten erhalten eine antikoagulatorische Therapie mit  ASS oder Phenprocoumon. Es besteht dann eine gesteigerte Blutungsneigung. Die aktuelle Medikation entnehmen Sie bitte dem Notfallausweis des Patienten.

Cave: Viele Fontanpatienten haben eine Fenestration zwischen Vorhoftunnel und Vorhof. Die normale Sauerstoffsättigung der Patienten liegt zwischen 85 und 90% (siehe Ausweis). Durch die Fenestration können venös verabreichte Substanzen direkt in den Systemkreislauf gelangen. Es besteht deshalb die Gefahr systemischer Embolien (z.B. Luft)!


Faustregeln für die cardio-pulmonale Reanimation
  • Herz-Druck-Massage und Beatmung entsprechend Patientenalter
  • zusätzlich Abdomenkompression (10 sec Kompression, 5 sec Pause)
Faustregeln für die Kreislauftherapie
  • für ausreichende Vorlast sorgen: Volumen!
  • Katecholamine können nur helfen, wenn die Vorlast stimmt
  • Beatmung mit niedrigen Mitteldrucken, möglichst Spontanatmung erhalten, Sauerstoffgabe!
  • Rhythmusstörungen konsequent behandeln

Herzdruckmassage

Beim Fontanpatienten sind die Hohlvenen klappenlos mit dem Pulmonalarteriensystem verbunden. Bei einer konventionellen Herz-Druck-Massage wird daher kein ausreichender Vorwärtsfluss im Lungenkreislauf erreicht. Bei jeder Herzkompression wird ein Teil des venösen Blutes wieder aus dem Thorax in die obere und untere Hohlvene zurück gepresst. Da eine ausreichende Lungendurchblutung aber ausschlag- gebend für die Füllung des singulären Ventrikels ist, kommt letztlich auch kein ausreichender Systemkreislauf zustande.

 

Erfahrungen haben gezeigt, dass der Anteil des retrograden venösen Flusses durch eine Kompression des oberen Abdomens vermindert und das Herzzeitvolumen somit verbessert werden kann. Dafür wird das obere Abdomen während der HDM von einer zweiten Person rhythmisch komprimiert (jeweils 10 sec Kompression, gefolgt von 5 sec Pause).

“Kreislauftherapie”

Ausschlaggebend für ein adäquates Herzzeitvolumen sind eine ausreichende Vorlast und ein niedriger Lungengefäß- widerstand. Achtung: MIt dem ZVD wird über zentrale Venen- katheter  nicht der Füllungsdruck des Ventrikels, sondern der pulmonalarterielle Druck gemessen. Dieser sollte bei ca. 15 mm Hg liegen.

 

Katecholamine sind bei eingeschränkter Ventrikelfunktion indiziert, können aber keine Verbesserung bringen, solange die Vorlast unzureichend ist.

 

Jede Erhöhung des intrathorakalen Drucks durch eine maschinelle Beatmung erhöht den Lungengefäßwiderstand und reduziert somit den venösen Rückstrom zum Herzen und das Herzzeitvolumen (Details siehe Abschnitt “Operation”). Sauerstoffgabe ist indiziert, sie führt neben besserer Oxygenierung zu einem Abfall der Lungengefäßwiderstände.

 

Rhythmusstörungen müssen konsequent behandelt werden, da deren hämodynamische Auswirkungen gravierender als beim biventrikulären Kreislaufsystem sind.


Alle hier aufgeführten Maßnahmen dienen der Orientierung bei der Therapie von Fontanpatienten. Abhängig von der individuellen Situation des Patienten gelten unter Umständen andere Zielwerte und modifizierte Therapiekonzepte sind erforderlich. Eine Abklärung durch Kontaktierung des behandelnden Herzzentrums wird dringend angeraten.

letzte Aktualisierung: 23.07.2015

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